Freitag, 3. September 2010

Von Pallmalljen und anderen schönen Straßen.

Gerade las ich im Stijlroyal Magazin den kleinen Artikel vom großen @Vergraemer über seine Heimatstadt Limburg und die Unfähigkeit der Hessen, fremdsprachige Straßennamen korrekt auszusprechen. Auch in Hamburg gibt es viele Straßen, die natürlich so ausgesprochen werden, wie sie ausgesprochen werden, und kommt jemand daher, der es besser weiß, ist er kein Hamburger. Während laut @Vergraemer bei den Hessen die Sprachprobleme auf Ignoranz zurückzuführen sind, haben wir es in Hamburg mit gesunder Arroganz zu tun. Ich bin in Hamburg aufgewachsen, bin waschecht, und habe von klein auf gelernt, wie es richtig ist. Daher erkenne ich Quiddjes (Zugereiste) sofort, selbst wenn sie sich größte Mühe geben, den Hamburger Schnack nachzuahmen.

So heißt die Palmaille natürlich 'Pallmallje', und die Rainvilleterrasse 'Reinwillterrasse'. In England heißt die Prachtstraße schließlich auch Pall Mall und auf der Rainvilleterrasse möchte tatsächlich jeder wohnen, weil es dort so schön ist. Bemüht sich also einer, diese Straßennamen französisch nasal auszusprechen, zieht der Hamburger ob dieser Affektivität in Gedanken die Augenbraue hoch und wünscht noch einen schönen Tag. Will der Hamburger jemanden zum Fischgroßhöker schicken, erklärt er ihm, wo die Schnackenburgsallee ist, mit 's' in der Mitte. Auf dem Straßenschild hat sich der Schildermacher grob verschrieben und nur 'Schnackenburgallee' getippt. Interessant ist auch der Kaltenkircher Platz, der an jeder Ecke anders ausgezeichnet ist. So heißt er mal Kaltenkirchener Platz, mal Kaltenkircher Straße, mal Kaltenkirchener Straße. Ich glaube, selbst im Rathaus weiß man nicht, wie er wirklich heißt. Der Hamburger wählt aber meist die erste Variante und bleibt dabei.

Auch ignoriert der Hamburger gern die Umbenennung von Straßen. Was soll das auch? Sein Leben lang hat man sich an der Ost-West-Straße orientiert und nun soll man Willi Brandt würdigen? Touristen werden selbstverständlich zum politisch inkorrekten Karl-Muck-Platz geschickt, wenn sie die Musikhalle suchen, die zwar mittlerweile Laeiszhalle heißt und am was-weiß-ich-wie-der Platz-jetzt-heißt-googlen-Sie-doch-selbst steht.

Überhaupt ist es schwierig, Ortsfremden den Weg zu weisen, wenn man entweder arrogant die Straßenbenennungen verändert oder aber selbst nicht genau weiß, wie die Straßen heißen. Auch das kommt vor. Der Hamburger, zumindest der Altonaer, weiß, was gemeint ist, wenn man 'den Platz beim Aurel' beschreibt, oder 'den Platz bei der Eisliebe', oder 'den Platz, auf dem immer Biomarkt ist'. Und man geht auch immer noch in die 'Alte Welt', nicht auf 'Altonas Balkon'. Zudem der beliebte Ausguck hamburgisch korrekt 'Altonaer Balkon' heißt. Fragt einen ein Tourist, wo die Schmarjestraße ist, überlegt man kurz, erinnert sich an die Schumacher-, Schiller- und Schomburgstraße und schickt ihn dann schließlich nach „da hinten irgendwo, sind alles Einbahnstraßen, also müssen Sie einmal um den Pudding gehen“. Dann geht man weiter, die Frage des Suchenden noch im Kopf, und begreift, dass die Schmarjestraße doch in der anderen Richtung liegt und man sie bloß mit der Schleestraße verwechselt hat. Man dreht sich um, sieht den armen Touristen noch in der Ferne und sagt sich, „Ich wäre ja auch erstmal falsch gelaufen.“

Es gibt übrigens dicke Bücher über die Straßennamen in Hamburg. Ich habe eine Ausgabe von meiner Großmutter geerbt und brauche auch keine neue. Können ja die Quiddjes kaufen.

2 Kommentare:

  1. Ich erinnere mich noch gut, als ich von einer Hamburgerin das erste Mal die korrekte Aussprache für das Wort "Parfum" hörte, nämlich "Paföng". Hatte ich doch tatsächlich Zeit meines Lebens falsch gemacht.

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  2. Glücklicherweise ist das Leben ja noch lang genug, um es von nun an richtig auszusprechen. Übrigens ebenso wie Teint ("Teng") oder Raison ("Räsong"). Und die leckeren Renekloden haben es ja sogar schon bis auf's Marktschild gebracht.

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